Nach Prüfung der Videos: Landkreis stellt Strafanzeige gegen Milchziegenbetrieb

26.06.2026

Nach Prüfung und Auswertung des bisher vorliegenden Videomaterials der Soko Tierschutz über die Zustände in einem Prignitzer Milchziegenbetrieb hat der Landkreis Prignitz entschieden, Strafanzeige zu stellen. Diese wurde am Donnerstag, 25. Juni, um 6.49 Uhr bei der Staatsanwaltschaft Neuruppin eingereicht.

Maria Hansen, Beigeordnete und zuständige Geschäftbereichsleiterin in der Prignitzer Kreisverwaltung, erklärt dazu: „Wir können den Betrieb eindeutig auf den uns vorliegenden 42 Minuten Videomaterial identifizieren.“ So zeigen Luftaufnahmen den Betrieb  klar erkennbar von oben und anhand von Ohrmarken konnten Tiere eindeutig diesem Betrieb zugeordnet werden.

Den Ausschlag für die Strafanzeige hat gegeben, dass auf dem Bildmaterial zu sehen ist, wie Ziegen geschlagen, getreten und an Gliedmaßen gezogen worden sind. Das kreisliche Veterinäramt sieht hierin Verstöße gegen die §§ 1 und 2 des Tierschutzgesetzes.

Maria Hansen: „Das Bildmaterial hat auch uns bewegt und erschüttert.“ Dennoch bedurfte es zunächst einer genauen Prüfung, bevor weitere Maßnahmen ergriffen werden konnten. Aktuell hat der Landkreis angeordnet, dass der Betrieb vorerst den Tierbestand nicht weiter erhöhen darf. „Wir prüfen parallel zu der Anzeige, ob es noch weitere Ordnungswidrigkeiten gibt.“ ergänzt Maria Hansen.

Parallel gab es am heutigen Freitagmorgen auch Vor-Ort-Kontrollen im Rahmen der Agrarförderung unter Beteiligung der Amtstierärztin Dr. Birgit Burchardt. Begleitet wurden diese fachrechtsspezifischen Kontrollen durch die obere Fachaufsicht für das Veterinärwesen. Die Fachaufsicht nimmt das Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit im Auftrag der obersten Landesveterinärbehörde des Ministeriums für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz wahr. Hier liegt noch kein Ergebnis vor.

Unverständlich für den Landkreis ist unverändert die Tatsache, dass Teile des Videomaterials bereits Ende Januar oder im Februar entstanden sind, die Soko Tierschutz aber erst am 28. April schriftlich auf Missstände in diesem Betrieb hingewiesen hat. Die Tierschutzorganisation hatte in dieser E-Mail weder Bildmaterial mitgeliefert, noch darauf hingewiesen, dass solches vorliegt.

Maria Hansen: „Diese lange Lücke zwischen der Feststellung möglicher Missstände und der Anzeige gegenüber der zuständigen Veterinärbehörde kann nicht im Sinne des Tierschutzes sein.“ (Siehe dazu auch die beigefügte Chronologie der Ereignisse).

Dem Landkreis lag erst am vergangenen Freitag, 19. Juni, das komplette Videomaterial von 42 Minuten Länge vor, so dass es auch erst dann ausgewertet werden konnte. Die Auswertung ist komplex und erfolgt sorfältig. Diese Prüfung ist in Teilen noch nicht abgeschlossen. Der Betriebsleiter wurde am 22. Juni zu einer Anhörung vorgeladen und befragt. Die strafrechtliche Bewertung obliegt jetzt der Staatsanwaltschaft.

© Landkreis Prignitz 


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